In Zeiten wie diesen, in denen wir am frühen Morgen die Zeitung aufschlagen und uns nur ängstigende Nachrichten erwarten, ist es gar nicht so einfach in der eigenen Ruhe und Gelassenheit zu bleiben.
Heute Morgen, nachdem ich meine Zeitung studiert hatte und ein bisschen bedröppelt aus dem Haus gehen wollte, bemerkte ich schon im Hausflur das schöne Licht. Die frühe Morgensonne schien auf die gegenüberliegende Wiese, mit ihren alten Bäumen und den weidenden Schafen darauf. Es zeigte sich mir ein ganz idyllisches Bild. Hier gab es sie, die Ruhe und die Gelassenheit, nach der wir uns in diesen Zeiten so sehnen. Hier, in diesem Moment schenkte sich mir eine ganz besondere Atmosphäre. Hier empfand ich Sicherheit, hier empfand ich Frieden.
Und ich vergaß das, was ich zuvor gelesen hatte für diesen kleinen Moment und wurde beim Betrachten ruhiger und hoffnungsfroher.
Da kam ich auf die Idee. Ich werde in den nächsten Wochen friedliche Momente im Außen sammeln, um den Frieden und die Ruhe in mir zu stärken.
Wie kann das gehen, fragen Sie sich vielleicht. In meinen Fortbildungen erzähle ich immer von Fokuslenkung. Ich kann entscheiden, worauf ich meinen Fokus lenke. Zugegeben unser Gehirn zieht es von Natur aus schneller zu all den uns umgebenden Gefahren. Und das ist auch manchmal gut so, will es doch unser Überleben sicher stellen. Schöne und gerade auch die friedlichen Momente gleiten dann einfach an uns ab.
Erst durch die bewusste Wahrnehmung – Ich will mal friedliche Momente sammeln – haben wir die Chance, dass wir solche Momente in dem ganzen Wirrwarr entdecken, dass etwas davon in unserer Wahrnehmung ankommt. Schenken Sie sich am besten ein Anhalten, ein Innehalten, schenken Sie sich diese friedlichen Momente.
Lächelnde im Spiel vertiefte Kinder; Katzen, die in der Sonne liegen; das Herbstlicht, wie es sanft durch die Bäume scheint; die warme Decke, die sie vor dem Aufstehen nochmal spüren können; ein liebevoll angerichtetes Frühstück; der vor Freude explodierende Hund; das freudige Strahlen in den Augen eines Freundes. Ach, was schreib ich. Sie alle kennen diese Augenblicke. Wir alle kennen diese kleinen friedlichen Momente.
Diese kleinen, friedlichen Momente mit ihrer großen Wirkung. Es sind diese kleinen Momente, die uns helfen die ängstliche oder wütende Aufregung im eigenen Inneren immer wieder zu regulieren. Diese kleinen Momente, die unser strapaziertes Nervensystem immer wieder beruhigen können und unsere Resilienz stärken.
Oder anders gesagt, diese kleinen Momente, die unsere Seele nähren. Was brauchen wir anderes in diesen Zeiten.
Beruhigend ist es auch, wenn wir sie teilen – mit anderen – unsere friedlichen Momente. In der Familie, mit Freunden, im Team.
Heute Morgen bin ich seit längerem mal wieder zum Walking aufgebrochen. Und es hat sich gelohnt. Beim Walken habe ich mein “mindful morning walking” ausprobiert.
Die, die mich kennen wissen, ich arbeite gerne mit der Kraft des Nervensystems. Und mein mindful morning walking hat was für mein Nervensystem getan. Es hat mich beruhigt, es hat mich für eine ganze Zeit lang ruhig und friedlich gemacht, es hat mich beseelt.
Ich bin in einem mir angenehmen Tempo durch den Wald gewalkt. Häufig treibe ich mich an, weil ich denke, es müsse doch schneller sein. Heute lag mein Fokus ganz auf dem Genuss.
Achtsam, in meinem Tempo konnte ich die Geschenke wahrnehmen, die auf dem Weg lagen. Fast ein bisschen staunend ging ich durch den Wald.
Ja, welche Geschenke habe ich angetroffen? Große, wunderbare alte standhafte Bäume, die gute kühle Waldluft. Weiche Böden, manche matschig, manche fest, immer aber irgendwie weich. Wunderschöne Farbspiele in allen Varianten. Das Morgenlicht, das an unterschiedlichen Stellen durch die Bäume fiel und lichtvolle Plätze gestaltete.
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Ganz bescheiden kommt der Wald daher
und hat soviel für uns zu bieten.
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Manchmal habe ich innegehalten, geschaut und den Duft, der in der Luft lag wahrgenommen. Zum Schluss ein freundliches Gespräch mit zwei älteren Frauen und ihren Hunden.
Sicher werden Sie denken, wo war das Besondere? So ein bisschen im Wald rumlaufen.
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Das Besondere entstand durch die Fokuslenkung.
Welche Geschenke finde ich auf diesem Weg?
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Meine Gedanken konnten zur Ruhe kommen. Sie waren beschäftigt mit diesen unglaublich vielen Geschenken, die da auf meinem Weg lagen. Und genau das war es auch, was meinem Körper erlaubte, seine Spannung, seinen alltäglichen Stress für eine Weile loszulassen.
Dieses bewusste Loslassen von Stress, dieses Wahrnehmen und Genießen der einsetzenden Entspannung, das ist es, was uns in den grünen Bereich der Stressskala führt. Üben wir dieses Wahrnehmen häufiger, erinnert sich der Körper und lässt sich leichter in die Entspannung zurückführen, auch mitten im Alltag.
Das Leben scheint immer schneller zu werden, Zeit wird knapp und Stress im Miteinander nimmt zu. Gerade wieder, wenn die Inzidenz, so wie im Moment, ansteigt.
Es macht uns Stress, weil wir uns bedroht fühlen. Da können wir mit guten Argumenten kommen, unser Nervensystem sieht das anders und führt uns schon mal vorab in Kampf- und Fluchtreaktionen. Dazu braucht es Adrenalin und da haben wir ihn, den Stress.
Etwas ganz wichtiges scheint uns dann im Miteinander abhanden zu kommen, die Wertschätzung. Schauen wir ins Fernsehen, schauen wir ins Internet so sind Beschämungen, Entwürdigungen und Respektlosigkeiten an der Tagesordnung.
Aber nicht nur da, fern ab von uns. Sondern auch mitten unter uns, zwischen den Nachbarn, den Kindern, den Eltern, im Team, im Patienten-Arzt Gespräch oder im Gespräch mit der Schulleitung.
Es wird Zeit zum Handeln, zum Bekennen und zum Benennen!
Anfangen können wir nur bei uns selbst. Üben wir uns selbst in der Achtsamkeit und der Stressregulierung öffnet sich die Tür zur Wertschätzung.
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Wertschätzung wirkt Wunder.
&
Wertschätzung gelingt nur im beruhigten Zustand.
.
Wertschätzung braucht unser reguliertes Nervensystem. Steigender Stress führt uns über vermehrtes Adrenalin in Kampf-Fluchtreaktionen. Wer sich also um Wertschätzung bemühen möchte, tut gut daran seine Stressregulierung im Auge zu haben.
Auf dieser Basis entwickelt sich der “innere Kompass”, der Wertschätzungs- oder Würdekompass (Udo Baer, G. Frick Baer), der uns anzeigt, wann Entwertung oder Entwürdigung auf den Plan tritt.
Mit ihm werden wir wieder hellhörig und feinfühlig. Erlauben wir uns das.
Und manchmal ist das Spüren von Entwertung auch gar nicht so einfach. Wenn wir beginnen uns für Entwertungen im Miteinander zu öffnen, heißt das auch, wir beginnen uns selbst auch wieder zu spüren. Die Tür zu unseren alten, eigenen Entwertungs- und Entwürdigungsverletzungen beginnt sich zu öffnen.
Wir bemerken, wir sind auch verletzt worden und noch schlimmer, wir sind immer noch verletzbar. Und das schmerzt. Das will versorgt werden. Mit Achtsamkeit, mit Würdigung, mit Liebe. So lange bis es letztendlich heilen kann.
Und dieser Heilungsprozess kann sich lohnen. Für uns selbst und für das Miteinander.
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Häufig entwickelt sich aus der Anerkennung der eigenen Verletzlichkeit,
die Wertschätzung für sich selbst.
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Wenn wir die Auswirkungen von Entwürdigungen und Beschämungen erlebt und erkannt haben, weitet sich unser Blick. Und oftmals wird er milde.
Wir können auf einmal spüren, dass Entwürdigungen und Beschämungen nicht nur ein belangloses Verhalten sind, nicht nur unachtsame Sätze. Wir können jetzt spüren, dass genau diese Sätze etwas mit Macht und Ohmacht zu tun haben.
Und dass sie wirken. Sie wirken. Oftmals über viele Jahre.
Sie kränken und können uns letztlich tatsächlich an Körper und Seele krank machen. Und sie entfernen uns von dem Gefühl der Verbundenheit. Sie lassen uns einsam werden. Wer sind wir schon?
Hilfreich auf dem Weg, Entwürdigungen und Beschämungen zu entdecken, ist die eigene Achtsamkeit. Sie ermöglicht uns das Innehalten und das Spüren.
Wenn wir Entwürdigungen benennen wollen, brauchen wir eine gehörige Portion Mut. Den wünsche ich uns allen. Fassen wir uns ein Herz und beginnen wir. Freundlich und aufrichtig. Hier ist eine Grenze!
Und im freundlichen und klaren Benennen richten wir uns selbst auf. Mit dem “Wertschätzungs-Kompass” als Rückenstärkung.
Schützen und stärken wir uns und unser Miteinander.
https://alt.lydia-arndt.de/wp-content/uploads/2020/05/autumn-leaves-2453011_1920.jpg12801920Lydia Arndthttps://www.alt.lydia-arndt.de/wp-content/uploads/2024/01/Lydiaarndt_logo_klein_OU-300x266.jpgLydia Arndt2021-08-22 09:00:322021-08-23 16:54:32Weil ich es mir wert bin. Wertschätzung.
Viele Einrichtungen haben Mitarbeiterräume. In den Schulen gibt es das sogenannte Lehrerzimmer. Viele dieser Räume sind schon ganz gemütlich gestaltet. Und es gibt leckeren Kaffee aus der Kaffeemaschine für das kleine Zwischendurch.
Oftmals sind es aber auch die Räume, die gerne und gut frequentiert werden, um sich auszutauschen, über das ein oder andere Problem und berufliche Anliegen zu sprechen. Gut, dass es diese Räume gibt.
Oft ist es hier sehr laut und wuselig. Oft hat man gerade hier keine Chance wirklich zur Ruhe zu kommen.
.
Und genau für dieses Bedürfnis nach Ruhe möchte ich Ihnen einen neuen Raum vorstellen, den “Sorgenfrei Raum”.
.
Ein Raum, an dem Mitarbeiter sich im Zwischendurch, in der kleinen oder großen Pause aufhalten können und an dem nicht über Arbeit, nicht über Schüler, Kollegen oder Klienten geredet wird. Der Sorgefrei Raum ist ein Raum zum Aufatmen, zum Auftanken, mitten im Arbeitsalltag.
Das ist es, was wir brauchen. Die kleinen, feinen Pausen zwischendurch, die uns ein wirkliches Innehalten ermöglichen. Die uns den Blick nach Innen ermöglichen.
Und nicht nur das, sondern auch das tiefe Wissen darum, dass wir die Qualität unserer Arbeit und die Qualität unserer Gesundheit nicht nur über neue Methoden, sondern vor allem durch mehr Wohlbefinden und besserer Stressbewältigung verändern können.
Ich höre sie schon, die vielen Einwände: “Das ist nicht möglich. Da haben wir keinen Raum für. Wie soll das gehen?”
Bleiben wir doch erstmal bei der Vorstellung und bei dem inneren Bild.
.
Ziele sind gut, wenn sie vorstellbar und erreichbar sind.
.
Ein “Sorgenfrei Raum” könnte gestaltet werden mit einem schönen Sessel, in einer hübschen Ecke am Fenster, zum Hinausblicken. Es dürfte einen schönen inspirierenden Sprüchekalender, einen ausgewählen Duft, erfrischende Fotos von Urlaubsorten geben oder eben nur die Einladung zur Stille. Einfach mal nichts – für das kleine Zwischendurch.
Die Neurobiologie als auch die Neuroimmunologie zeigt uns sehr genau auf, was wir Menschen brauchen um gesund, kooperativ und leistungsstark zu bleiben. Und es sind vor allem die Auszeiten mitten im Arbeitsalltag.
Das kurze aber wirksame Ankommen bei sich selbst und damit eine Möglichkeit mit dem Nervensystem vom Sympatikus auf den Vagus, den “Ruhenerv” zu wechseln.
Und es wird Zeit, Arbeitsplätze dementsprechend menschlich zu gestalten. Wir brauchen Orte, an denen wir immer wieder zu unserer Lebenskraft zurückfinden und an denen wir wieder zu unseren besten Qualitäten zurückfinden können.
Wenn es um Gesundheit in Kitas und Schulen – in Beziehungsberufen – geht, beschäftigen wir uns noch wenig mit dem übergeordneten Schlüsselfaktor, der über die gesamte Lebensspanne hinweg, über Gesundheit und Krankheit entscheidet:
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Die Wirksamkeit von Beziehungen.
Die Art und Weise, wie zwischenmenschliche Kontakte gelebt und erlebt werden / werden können.
.
In pädagogischen Kontexten ist die Frage danach hilfreich, was Beziehungen brauchen, um zu gelingen. Welche Qualitäten bräuchte es, damit sich Menschen in Systemen wirklich begegnen können.
Denn die Beziehung als Schlüsselfaktor für Gesundheit ist nicht zu verachten:
“EPIDEMIOLOGISCHE STUDIEN LASSEN DAVON AUSGEHEN, dass die Einbettung in familiäre, soziokulturelle und spirituell-religiöse Kontexte die durchschnittliche Lebenserwartung um bis zu 20 Jahre ansteigen lässt.
aus www.psychoneuroimmunologiekongress.at / 3. PNI Kongress – Psychoneuroimmunolgie im Lauf des Lebens
Die Studien belegen, hier muss ein gewichtiger Faktor am Werk sein, wenn es um Antworten auf die Frage geht, wovon gesundes Leben abhängt. In den vielen unterschiedlichen Untersuchungen zeigt sich immer deutlicher, dass Beziehungen wirken. Dass menschliche Interaktionen nicht nur psychische, sondern auch physiologische Wirksamkeit zeigen.
Ich habe lange Jahre im Bereich der Beratung von sexualisierter Gewalt gearbeitet. Und wir wissen mittlerweile alle, dass Gewalt krank macht. Jetzt ist es an der Zeit, ganz genau zu schauen, was im Miteinander gesund macht.
Welche Qualitäten müssen Beziehungsangebote, auch im beruflichen Kontext haben, um unsere Herzen, unser Nerven- und auch unser Immunsystem zu stärken? Eigentlich kennen wir alle die Antwort. Es sind nicht noch mehr Methoden, noch mehr Tools, noch mehr Struktur. Ganz im Ggenteil. Es sind unsere menschlichen Qualitäten, unsere Herzensqualitäten.
Und lassen Sie uns den Blick weiten und schauen, wovon beide Seiten, in pädagogischen und psychosozialen oder medizinischen Kontexten, provitieren.
Schauen wir uns an, was an Beziehung wirkt. Schauen wir, was an Beziehung heilsam und motivierend ist. Es sind die Momente der Interaktion, in denen wir uns gegenseitig sehen können, uns wirklich hören und spüren können. Es sind die Momente, in denen wir uns – beide Seiten – sicher fühlen. Es sind die sog. “gelingenden Beziehungsmomente”. Die Momente, in denen wir präsent und offen für unser menschliches Gegenüber sind. Die Momente, in denen sich die Angst voreinander legen darf.
Das geht nicht mal eben, nicht zwischendurch. Hier braucht es Zeit, Achtsamkeit und das Wissen um die Grundbedingungen für “sichere” menschliche Begegnungen.
Gelingende Beziehungsmomente oder “sichere” Beziehungsmomente nähren uns, beflügeln und stärken uns. Und das gilt für beide Seiten. Für Hilfesuchende, Schüler/Innen, Kitakinder und für Helfer, Berater oder Pädagogen.
Helfer, Pfleger, Ärzte und Pädagogen sind in der Regel Menschen, die sich diesen Beruf ausgewählt haben, um anderen Menschen wirklich zu helfen, um zu verändern und auch, um etwas zu geben. Das, was Sie neben einer guten Resilienz dringend brauchen sind Arbeitsstrukturen, die ihnen Zeit lassen für menschliche Beziehungen.
Zeit, um das Miteinander wahrzunehmen und angemessen zu gestalten. Zeit für Gespräche von Mensch zu Mensch. Zeit, für Feinfühligkeit.
Und vor allem Zeit, um die gegenseitige Dankbarkeit der gelingenden Beziehungsmomente zu kosten. Das ist es doch, was helfende und pädagogische Arbeit auch ausmacht. Das ist das Gesundheitselixier Beziehung für helfende und pädagogische Berufsgruppen.
Was, wenn wir nicht kostenorientiert, sondern beziehungsorientiert denken, fühlen und planen würden? Vermutlich würden die Kosten in dem einen Teil des Gesundheitswesens steigen und seien Sie sich gewiss, es gebe im Bereich der Erschöpfung, der Depressionen, der Herz-Kreislauf Erkrankungen deutliche Einsparungen.
All das ist der Hintergund von ” beziehungs-weise-gesund”.
Es ist mir ein Herzensanliegen über dieses Thema zu schreiben, weil es mich auch selbst immer mal wieder betrifft.
Kennen Sie dieses Gefühl nicht beantwortet zu werden? Es taucht in beruflichen Kontexten ebenso gerne auf, wie in privaten. Sie stellen eine Frage oder treten in Verhandlungen und bekommen von Ihrem Gegenüber keine Antwort.
Mir ist es im letzten Jahr im Kontakt mit einer Institution begegnet, der ich meine Fortbildungen angeboten habe. Es fanden freundliche und interessierte Gespräche statt, mit der Absprache sich zu melden. Es kam keine Rückmeldung. Auch auf Nachfrage durch eine Email gab es keine Antwort.
Was löst ein solches Unbeantwortet bleiben aus? Zunächst mal Irritation, dann Unverständnis. Und ob wir wollen oder nicht, auch Verunsicherung.
Für mich gilt, eine Antwort die schmerzhaft ist, ist besser als keine.
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Menschen zu Beantworten ist eine Menschenpflicht. Warum?
Weil wir zutiefst auf Antworten angewiesen sind.
Von Anfang an.
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Auch in Liebesbeziehungen gibt es diese Situationen, dass der Eine lieber nach hinten ausweicht, als stehen zu bleiben und aufrichtiges Gegenüber zu sein. Nicht beantwortet zu werden, schmerzt mehr als eine schmerzliche Antwort.
Manchmal gibt es tatsächlich noch keine eindeutige Antwort oder man ist nicht in der richtigen Verfassung für eine passende Antwort. Auch dann gibt es wertschätzende Möglichkeiten:
“Es tut mir leid, jetzt gerade kann ich nicht. Können wir morgen nochmal sprechen. Gib mir ein wenig Zeit.”
Und schon kann mein Gegenüber spüren, dass ich es ernst nehme und wertschätze. Probieren Sie es mal aus.
Das Gleiche gilt auch in beruflichen Kontexten. Wir wissen heute, dass arbeitslose Menschen vielfach unter Stresssymptomen leiden. Sie leben mit vielen Unsicherheiten, die zu Stressreaktionen führen. Und sie leben mit dem tiefen Wunsch einen Arbeitsplatz zu finden. Wieder dazuzugehören. Sie bieten sich an. Sie versenden Bewerbungen, zeigen sich und packen aus.
Die Erfahrung zeigt, viele dieser mit Hoffnungen gefüllten Bewerbungen werden gar nicht beantwortet. Die Menschen wollen Begegnungen und Rückmeldungen und bleiben vielfach in der Leere stehen. Das tut nicht gut. Um nicht zu sagen, es kann krank machen, weil es kränkt.
Nicht beantwortet zu werden geht uns Menschen an den Wert, an die Würde und unter die Haut. Es ist würdelos, um eine Antwort zu bitten und keine zu erhalten.
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Und es sind zutiefst menschliche Gefühle. Wir Menschen brauchen uns. Machen wir uns nichts vor.
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Wir brauchen es gesehen und gehört zu werden. Und wenn wir eine Frage, in den Begegnungsraum stellen, haben wir alle ein Recht auf eine Antwort.
Für all diejenigen von uns, denen es schwer fällt unangenehme Antworten zu geben ist dieser Blogbeitrag. Und natürlich auch für all diejenigen, die in der Warteschleife sitzen geblieben sind.
Fassen wir uns ein Herz, formulieren wir aufrichtige Antworten wohlwollend und schenken wir unseren Mitmenschen die Erfahrung eines wertschätzenden Gegenübers.
Und andersherum: Wenn Sie auf eine Antwort warten, seien Sie mutig und sprechen Sie an, wie es Ihnen, mit dem Unbeantwortet sein, geht.
Muten wir uns zu. Es ist Beziehungsarbeit, an der wir wachsen.
https://alt.lydia-arndt.de/wp-content/uploads/2021/03/business-3560932_1920.jpg12801920Lydia Arndthttps://www.alt.lydia-arndt.de/wp-content/uploads/2024/01/Lydiaarndt_logo_klein_OU-300x266.jpgLydia Arndt2021-03-07 09:15:072021-03-07 09:15:18Schenken Sie anderen Menschen Antworten.
Friedliche Momente sammeln
In Zeiten wie diesen, in denen wir am frühen Morgen die Zeitung aufschlagen und uns nur ängstigende Nachrichten erwarten, ist es gar nicht so einfach in der eigenen Ruhe und Gelassenheit zu bleiben.
Heute Morgen, nachdem ich meine Zeitung studiert hatte und ein bisschen bedröppelt aus dem Haus gehen wollte, bemerkte ich schon im Hausflur das schöne Licht. Die frühe Morgensonne schien auf die gegenüberliegende Wiese, mit ihren alten Bäumen und den weidenden Schafen darauf. Es zeigte sich mir ein ganz idyllisches Bild. Hier gab es sie, die Ruhe und die Gelassenheit, nach der wir uns in diesen Zeiten so sehnen. Hier, in diesem Moment schenkte sich mir eine ganz besondere Atmosphäre. Hier empfand ich Sicherheit, hier empfand ich Frieden.
Und ich vergaß das, was ich zuvor gelesen hatte für diesen kleinen Moment und wurde beim Betrachten ruhiger und hoffnungsfroher.
Da kam ich auf die Idee. Ich werde in den nächsten Wochen friedliche Momente im Außen sammeln, um den Frieden und die Ruhe in mir zu stärken.
Wie kann das gehen, fragen Sie sich vielleicht. In meinen Fortbildungen erzähle ich immer von Fokuslenkung. Ich kann entscheiden, worauf ich meinen Fokus lenke. Zugegeben unser Gehirn zieht es von Natur aus schneller zu all den uns umgebenden Gefahren. Und das ist auch manchmal gut so, will es doch unser Überleben sicher stellen. Schöne und gerade auch die friedlichen Momente gleiten dann einfach an uns ab.
Erst durch die bewusste Wahrnehmung – Ich will mal friedliche Momente sammeln – haben wir die Chance, dass wir solche Momente in dem ganzen Wirrwarr entdecken, dass etwas davon in unserer Wahrnehmung ankommt. Schenken Sie sich am besten ein Anhalten, ein Innehalten, schenken Sie sich diese friedlichen Momente.
Lächelnde im Spiel vertiefte Kinder; Katzen, die in der Sonne liegen; das Herbstlicht, wie es sanft durch die Bäume scheint; die warme Decke, die sie vor dem Aufstehen nochmal spüren können; ein liebevoll angerichtetes Frühstück; der vor Freude explodierende Hund; das freudige Strahlen in den Augen eines Freundes. Ach, was schreib ich. Sie alle kennen diese Augenblicke. Wir alle kennen diese kleinen friedlichen Momente.
Diese kleinen, friedlichen Momente mit ihrer großen Wirkung. Es sind diese kleinen Momente, die uns helfen die ängstliche oder wütende Aufregung im eigenen Inneren immer wieder zu regulieren. Diese kleinen Momente, die unser strapaziertes Nervensystem immer wieder beruhigen können und unsere Resilienz stärken.
Oder anders gesagt, diese kleinen Momente, die unsere Seele nähren. Was brauchen wir anderes in diesen Zeiten.
Beruhigend ist es auch, wenn wir sie teilen – mit anderen – unsere friedlichen Momente. In der Familie, mit Freunden, im Team.
mindful morning walking
Heute Morgen bin ich seit längerem mal wieder zum Walking aufgebrochen. Und es hat sich gelohnt. Beim Walken habe ich mein “mindful morning walking” ausprobiert.
Die, die mich kennen wissen, ich arbeite gerne mit der Kraft des Nervensystems. Und mein mindful morning walking hat was für mein Nervensystem getan. Es hat mich beruhigt, es hat mich für eine ganze Zeit lang ruhig und friedlich gemacht, es hat mich beseelt.
Ich bin in einem mir angenehmen Tempo durch den Wald gewalkt. Häufig treibe ich mich an, weil ich denke, es müsse doch schneller sein. Heute lag mein Fokus ganz auf dem Genuss.
Achtsam, in meinem Tempo konnte ich die Geschenke wahrnehmen, die auf dem Weg lagen. Fast ein bisschen staunend ging ich durch den Wald.
Ja, welche Geschenke habe ich angetroffen? Große, wunderbare alte standhafte Bäume, die gute kühle Waldluft. Weiche Böden, manche matschig, manche fest, immer aber irgendwie weich. Wunderschöne Farbspiele in allen Varianten. Das Morgenlicht, das an unterschiedlichen Stellen durch die Bäume fiel und lichtvolle Plätze gestaltete.
.
.
Manchmal habe ich innegehalten, geschaut und den Duft, der in der Luft lag wahrgenommen. Zum Schluss ein freundliches Gespräch mit zwei älteren Frauen und ihren Hunden.
Sicher werden Sie denken, wo war das Besondere? So ein bisschen im Wald rumlaufen.
.
.
Meine Gedanken konnten zur Ruhe kommen. Sie waren beschäftigt mit diesen unglaublich vielen Geschenken, die da auf meinem Weg lagen. Und genau das war es auch, was meinem Körper erlaubte, seine Spannung, seinen alltäglichen Stress für eine Weile loszulassen.
Dieses bewusste Loslassen von Stress, dieses Wahrnehmen und Genießen der einsetzenden Entspannung, das ist es, was uns in den grünen Bereich der Stressskala führt. Üben wir dieses Wahrnehmen häufiger, erinnert sich der Körper und lässt sich leichter in die Entspannung zurückführen, auch mitten im Alltag.
Probieren Sie es aus.
Resilienz
“Beurteile mich nicht nach meinem Erfolg. Beurteile mich danach, wie oft ich hingefallen und wieder aufgestanden bin.”
Nelson Mandela
Weil ich es mir wert bin. Wertschätzung.
Das Leben scheint immer schneller zu werden, Zeit wird knapp und Stress im Miteinander nimmt zu. Gerade wieder, wenn die Inzidenz, so wie im Moment, ansteigt.
Es macht uns Stress, weil wir uns bedroht fühlen. Da können wir mit guten Argumenten kommen, unser Nervensystem sieht das anders und führt uns schon mal vorab in Kampf- und Fluchtreaktionen. Dazu braucht es Adrenalin und da haben wir ihn, den Stress.
Etwas ganz wichtiges scheint uns dann im Miteinander abhanden zu kommen, die Wertschätzung. Schauen wir ins Fernsehen, schauen wir ins Internet so sind Beschämungen, Entwürdigungen und Respektlosigkeiten an der Tagesordnung.
Aber nicht nur da, fern ab von uns. Sondern auch mitten unter uns, zwischen den Nachbarn, den Kindern, den Eltern, im Team, im Patienten-Arzt Gespräch oder im Gespräch mit der Schulleitung.
Es wird Zeit zum Handeln, zum Bekennen und zum Benennen!
Anfangen können wir nur bei uns selbst. Üben wir uns selbst in der Achtsamkeit und der Stressregulierung öffnet sich die Tür zur Wertschätzung.
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Wertschätzung braucht unser reguliertes Nervensystem. Steigender Stress führt uns über vermehrtes Adrenalin in Kampf-Fluchtreaktionen. Wer sich also um Wertschätzung bemühen möchte, tut gut daran seine Stressregulierung im Auge zu haben.
Auf dieser Basis entwickelt sich der “innere Kompass”, der Wertschätzungs- oder Würdekompass (Udo Baer, G. Frick Baer), der uns anzeigt, wann Entwertung oder Entwürdigung auf den Plan tritt.
Mit ihm werden wir wieder hellhörig und feinfühlig. Erlauben wir uns das.
Und manchmal ist das Spüren von Entwertung auch gar nicht so einfach. Wenn wir beginnen uns für Entwertungen im Miteinander zu öffnen, heißt das auch, wir beginnen uns selbst auch wieder zu spüren. Die Tür zu unseren alten, eigenen Entwertungs- und Entwürdigungsverletzungen beginnt sich zu öffnen.
Wir bemerken, wir sind auch verletzt worden und noch schlimmer, wir sind immer noch verletzbar. Und das schmerzt. Das will versorgt werden. Mit Achtsamkeit, mit Würdigung, mit Liebe. So lange bis es letztendlich heilen kann.
Und dieser Heilungsprozess kann sich lohnen. Für uns selbst und für das Miteinander.
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Wenn wir die Auswirkungen von Entwürdigungen und Beschämungen erlebt und erkannt haben, weitet sich unser Blick. Und oftmals wird er milde.
Wir können auf einmal spüren, dass Entwürdigungen und Beschämungen nicht nur ein belangloses Verhalten sind, nicht nur unachtsame Sätze. Wir können jetzt spüren, dass genau diese Sätze etwas mit Macht und Ohmacht zu tun haben.
Und dass sie wirken. Sie wirken. Oftmals über viele Jahre.
Sie kränken und können uns letztlich tatsächlich an Körper und Seele krank machen. Und sie entfernen uns von dem Gefühl der Verbundenheit. Sie lassen uns einsam werden. Wer sind wir schon?
Hilfreich auf dem Weg, Entwürdigungen und Beschämungen zu entdecken, ist die eigene Achtsamkeit. Sie ermöglicht uns das Innehalten und das Spüren.
Wenn wir Entwürdigungen benennen wollen, brauchen wir eine gehörige Portion Mut. Den wünsche ich uns allen. Fassen wir uns ein Herz und beginnen wir. Freundlich und aufrichtig. Hier ist eine Grenze!
Und im freundlichen und klaren Benennen richten wir uns selbst auf. Mit dem “Wertschätzungs-Kompass” als Rückenstärkung.
Schützen und stärken wir uns und unser Miteinander.
Sorgenfrei Raum
Viele Einrichtungen haben Mitarbeiterräume. In den Schulen gibt es das sogenannte Lehrerzimmer. Viele dieser Räume sind schon ganz gemütlich gestaltet. Und es gibt leckeren Kaffee aus der Kaffeemaschine für das kleine Zwischendurch.
Oftmals sind es aber auch die Räume, die gerne und gut frequentiert werden, um sich auszutauschen, über das ein oder andere Problem und berufliche Anliegen zu sprechen. Gut, dass es diese Räume gibt.
Oft ist es hier sehr laut und wuselig. Oft hat man gerade hier keine Chance wirklich zur Ruhe zu kommen.
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Ein Raum, an dem Mitarbeiter sich im Zwischendurch, in der kleinen oder großen Pause aufhalten können und an dem nicht über Arbeit, nicht über Schüler, Kollegen oder Klienten geredet wird. Der Sorgefrei Raum ist ein Raum zum Aufatmen, zum Auftanken, mitten im Arbeitsalltag.
Das ist es, was wir brauchen. Die kleinen, feinen Pausen zwischendurch, die uns ein wirkliches Innehalten ermöglichen. Die uns den Blick nach Innen ermöglichen.
Und nicht nur das, sondern auch das tiefe Wissen darum, dass wir die Qualität unserer Arbeit und die Qualität unserer Gesundheit nicht nur über neue Methoden, sondern vor allem durch mehr Wohlbefinden und besserer Stressbewältigung verändern können.
Ich höre sie schon, die vielen Einwände: “Das ist nicht möglich. Da haben wir keinen Raum für. Wie soll das gehen?”
Bleiben wir doch erstmal bei der Vorstellung und bei dem inneren Bild.
.
.
Ein “Sorgenfrei Raum” könnte gestaltet werden mit einem schönen Sessel, in einer hübschen Ecke am Fenster, zum Hinausblicken. Es dürfte einen schönen inspirierenden Sprüchekalender, einen ausgewählen Duft, erfrischende Fotos von Urlaubsorten geben oder eben nur die Einladung zur Stille. Einfach mal nichts – für das kleine Zwischendurch.
Die Neurobiologie als auch die Neuroimmunologie zeigt uns sehr genau auf, was wir Menschen brauchen um gesund, kooperativ und leistungsstark zu bleiben. Und es sind vor allem die Auszeiten mitten im Arbeitsalltag.
Das kurze aber wirksame Ankommen bei sich selbst und damit eine Möglichkeit mit dem Nervensystem vom Sympatikus auf den Vagus, den “Ruhenerv” zu wechseln.
Und es wird Zeit, Arbeitsplätze dementsprechend menschlich zu gestalten. Wir brauchen Orte, an denen wir immer wieder zu unserer Lebenskraft zurückfinden und an denen wir wieder zu unseren besten Qualitäten zurückfinden können.
Von da aus geht´s los. Von da aus geht´s weiter.
Gesundheitselixier Beziehung
Wenn es um Gesundheit in Kitas und Schulen – in Beziehungsberufen – geht, beschäftigen wir uns noch wenig mit dem übergeordneten Schlüsselfaktor, der über die gesamte Lebensspanne hinweg, über Gesundheit und Krankheit entscheidet:
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In pädagogischen Kontexten ist die Frage danach hilfreich, was Beziehungen brauchen, um zu gelingen. Welche Qualitäten bräuchte es, damit sich Menschen in Systemen wirklich begegnen können.
Denn die Beziehung als Schlüsselfaktor für Gesundheit ist nicht zu verachten:
“EPIDEMIOLOGISCHE STUDIEN LASSEN DAVON AUSGEHEN, dass die Einbettung in familiäre, soziokulturelle und spirituell-religiöse Kontexte die durchschnittliche Lebenserwartung um bis zu 20 Jahre ansteigen lässt.
aus www.psychoneuroimmunologiekongress.at / 3. PNI Kongress – Psychoneuroimmunolgie im Lauf des Lebens
Die Studien belegen, hier muss ein gewichtiger Faktor am Werk sein, wenn es um Antworten auf die Frage geht, wovon gesundes Leben abhängt. In den vielen unterschiedlichen Untersuchungen zeigt sich immer deutlicher, dass Beziehungen wirken. Dass menschliche Interaktionen nicht nur psychische, sondern auch physiologische Wirksamkeit zeigen.
Ich habe lange Jahre im Bereich der Beratung von sexualisierter Gewalt gearbeitet. Und wir wissen mittlerweile alle, dass Gewalt krank macht. Jetzt ist es an der Zeit, ganz genau zu schauen, was im Miteinander gesund macht.
Welche Qualitäten müssen Beziehungsangebote, auch im beruflichen Kontext haben, um unsere Herzen, unser Nerven- und auch unser Immunsystem zu stärken? Eigentlich kennen wir alle die Antwort. Es sind nicht noch mehr Methoden, noch mehr Tools, noch mehr Struktur. Ganz im Ggenteil. Es sind unsere menschlichen Qualitäten, unsere Herzensqualitäten.
Und lassen Sie uns den Blick weiten und schauen, wovon beide Seiten, in pädagogischen und psychosozialen oder medizinischen Kontexten, provitieren.
Schauen wir uns an, was an Beziehung wirkt. Schauen wir, was an Beziehung heilsam und motivierend ist. Es sind die Momente der Interaktion, in denen wir uns gegenseitig sehen können, uns wirklich hören und spüren können. Es sind die Momente, in denen wir uns – beide Seiten – sicher fühlen. Es sind die sog. “gelingenden Beziehungsmomente”. Die Momente, in denen wir präsent und offen für unser menschliches Gegenüber sind. Die Momente, in denen sich die Angst voreinander legen darf.
Das geht nicht mal eben, nicht zwischendurch. Hier braucht es Zeit, Achtsamkeit und das Wissen um die Grundbedingungen für “sichere” menschliche Begegnungen.
Gelingende Beziehungsmomente oder “sichere” Beziehungsmomente nähren uns, beflügeln und stärken uns. Und das gilt für beide Seiten. Für Hilfesuchende, Schüler/Innen, Kitakinder und für Helfer, Berater oder Pädagogen.
Helfer, Pfleger, Ärzte und Pädagogen sind in der Regel Menschen, die sich diesen Beruf ausgewählt haben, um anderen Menschen wirklich zu helfen, um zu verändern und auch, um etwas zu geben. Das, was Sie neben einer guten Resilienz dringend brauchen sind Arbeitsstrukturen, die ihnen Zeit lassen für menschliche Beziehungen.
Zeit, um das Miteinander wahrzunehmen und angemessen zu gestalten. Zeit für Gespräche von Mensch zu Mensch. Zeit, für Feinfühligkeit.
Und vor allem Zeit, um die gegenseitige Dankbarkeit der gelingenden Beziehungsmomente zu kosten. Das ist es doch, was helfende und pädagogische Arbeit auch ausmacht. Das ist das Gesundheitselixier Beziehung für helfende und pädagogische Berufsgruppen.
Was, wenn wir nicht kostenorientiert, sondern beziehungsorientiert denken, fühlen und planen würden? Vermutlich würden die Kosten in dem einen Teil des Gesundheitswesens steigen und seien Sie sich gewiss, es gebe im Bereich der Erschöpfung, der Depressionen, der Herz-Kreislauf Erkrankungen deutliche Einsparungen.
All das ist der Hintergund von ” beziehungs-weise-gesund”.
Schenken Sie anderen Menschen Antworten.
Es ist mir ein Herzensanliegen über dieses Thema zu schreiben, weil es mich auch selbst immer mal wieder betrifft.
Kennen Sie dieses Gefühl nicht beantwortet zu werden? Es taucht in beruflichen Kontexten ebenso gerne auf, wie in privaten. Sie stellen eine Frage oder treten in Verhandlungen und bekommen von Ihrem Gegenüber keine Antwort.
Mir ist es im letzten Jahr im Kontakt mit einer Institution begegnet, der ich meine Fortbildungen angeboten habe. Es fanden freundliche und interessierte Gespräche statt, mit der Absprache sich zu melden. Es kam keine Rückmeldung. Auch auf Nachfrage durch eine Email gab es keine Antwort.
Was löst ein solches Unbeantwortet bleiben aus? Zunächst mal Irritation, dann Unverständnis. Und ob wir wollen oder nicht, auch Verunsicherung.
Für mich gilt, eine Antwort die schmerzhaft ist, ist besser als keine.
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Auch in Liebesbeziehungen gibt es diese Situationen, dass der Eine lieber nach hinten ausweicht, als stehen zu bleiben und aufrichtiges Gegenüber zu sein. Nicht beantwortet zu werden, schmerzt mehr als eine schmerzliche Antwort.
Manchmal gibt es tatsächlich noch keine eindeutige Antwort oder man ist nicht in der richtigen Verfassung für eine passende Antwort. Auch dann gibt es wertschätzende Möglichkeiten:
“Es tut mir leid, jetzt gerade kann ich nicht. Können wir morgen nochmal sprechen. Gib mir ein wenig Zeit.”
Und schon kann mein Gegenüber spüren, dass ich es ernst nehme und wertschätze. Probieren Sie es mal aus.
Das Gleiche gilt auch in beruflichen Kontexten. Wir wissen heute, dass arbeitslose Menschen vielfach unter Stresssymptomen leiden. Sie leben mit vielen Unsicherheiten, die zu Stressreaktionen führen. Und sie leben mit dem tiefen Wunsch einen Arbeitsplatz zu finden. Wieder dazuzugehören. Sie bieten sich an. Sie versenden Bewerbungen, zeigen sich und packen aus.
Die Erfahrung zeigt, viele dieser mit Hoffnungen gefüllten Bewerbungen werden gar nicht beantwortet. Die Menschen wollen Begegnungen und Rückmeldungen und bleiben vielfach in der Leere stehen. Das tut nicht gut. Um nicht zu sagen, es kann krank machen, weil es kränkt.
Nicht beantwortet zu werden geht uns Menschen an den Wert, an die Würde und unter die Haut. Es ist würdelos, um eine Antwort zu bitten und keine zu erhalten.
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Wir brauchen es gesehen und gehört zu werden. Und wenn wir eine Frage, in den Begegnungsraum stellen, haben wir alle ein Recht auf eine Antwort.
Für all diejenigen von uns, denen es schwer fällt unangenehme Antworten zu geben ist dieser Blogbeitrag. Und natürlich auch für all diejenigen, die in der Warteschleife sitzen geblieben sind.
Fassen wir uns ein Herz, formulieren wir aufrichtige Antworten wohlwollend und schenken wir unseren Mitmenschen die Erfahrung eines wertschätzenden Gegenübers.
Und andersherum: Wenn Sie auf eine Antwort warten, seien Sie mutig und sprechen Sie an, wie es Ihnen, mit dem Unbeantwortet sein, geht.
Muten wir uns zu. Es ist Beziehungsarbeit, an der wir wachsen.